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Gut oder Schlecht?

Viele Wissenschaftler hoffen, dass menschliche Stammzellen bei der Behandlung von bisher unheilbaren Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, Schlaganfall, Lähmungen, Infarkten und Diabetes völlig neue Wege eröffnen könnten.

Heute werden Stammzellen aus menschlichen Embryos gewonnen, die zu diesem Zeitpunkt, wenige Tag nach der Befruchtung, aus einigen wenigen Zellen bestehen und ungefähr so groß sind wie ein Viertel eines Stecknadelkopfes.

Doch die Verwendung von Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen wirft erhebliche ethische Probleme auf. Viele Wissenschaftler hoffen daher, dass in Zukunft geeignete Stammzellen aus dem Knochenmark zustimmungsfähiger Erwachsener gewonnen werden können.

Ist es ethisch vertretbar, einen Embryo als „Rohstoffquelle" für Stammzellen zu benutzen?
Für manche Menschen ist ein sehr früher Embryo nur eine Anhäufung von Zellen ohne ausgebildete menschliche Eigenschaften. Sie halten es daher für ethisch vertretbar, einen solchen Embryo für die medizinische Forschung einzusetzen. Für andere ist die Forschung an menschlichen Embryonen nicht akzeptabel, da nach ihrer Sicht ein Embryo vom Zeitpunkt der Befruchtung an ein vollständiges, menschliches Wesen ist, genauso wie ein Baby oder ein Erwachsener.

  • Ist ein Embryo ein vollständiger Mensch oder bloß ein Zellhaufen?
  • Sind die Rechte des Embryos wichtiger als die Rechte eines Erwachsenen oder eines Kindes mit einer unheilbaren Krankheit?

Ab wann genau ist ein Embryo oder ein Fötus ein menschliches Wesen?
Für manche Menschen ist dies bereits ab dem Zeitpunkt der Empfängnis der Fall. Für andere nimmt der „menschliche Status" zu, während der Fötus im Mutterleib heranwächst. Was meinen Sie: ab welchem Zeitpunkt hat der Fötus dieselben Rechte wie jeder andere Mensch?

  • Zum Zeitpunkt der Empfängnis?
  • Zwei Monate nach der Befruchtung, wenn der Kopf und der Körper bereits erkennbar sind, aber der Embryo noch nichts bewußt fühlt, da sein Gehirn noch nicht richtig „verschaltet" ist?
  • Nach 5 1/2 Monaten, wenn der Fötus auf Geräusche reagiert und im Falle einer Frühgeburt überleben könnte?
  • Erst in dem Moment, wenn das Baby auf die Welt kommt?

Ist es ethisch vertretbar, „überzählige" Embryos zu erzeugen und zu lagern?
In den Tiefkühltruhen der Fertilitätskliniken in ganz Europa lagern weit mehr als 100 000 „übriggebliebener" Embryos. Bei einigen dieser Embryonen ist völlig unklar, was mit ihnen geschehen soll. In Deutschland dagegen verbietet das Gesetz die Erzeugung und Lagerung „überzähliger" Embryos, dort dürfen bei einer in vitro-Fertilisation lediglich so viele Embryos erzeugt werden, wie der betreffenden Frau eingepflanzt werden sollen.

  • Sollte die deutsche Vorgehensweise überall in Europa praktiziert werden?
  • Was geschieht mit den „übriggebliebenen" Embryos, die heute bereits gelagert werden? Sollten sie vernichtet werden oder sollten sie in der Forschung verwendet werden dürfen und vielleicht zur Heilung von Krankheiten eingesetzt werden?

Was ist mit anderen Quellen für Stammzellen?
Neueste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass es vielleicht möglich sein könnte, aus dem Knochenmark von Erwachsenen so genannte „adulte Stammzellen" zu gewinnen, die ebenfalls zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt werden könnten.

  • Ist es ethisch vertretbar, die Forschung auf die so genannten „adulten Stammzellen" zu konzentrieren, wenn in der Zwischenzeit Menschen aufgrund von Krankheiten sterben, die mit Hilfe von embryonalen Stammzellen geheilt werden könnten?
  • Sollte der Einsatz embryonaler Stammzellen erlaubt sein bzw. bleiben, auch wenn so genannte „adulte Stammzellen" aus dem Knochenmark ähnlich gut zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden könnten?

Macht die Absicht einen Unterschied?
In den Tiefkühltruhen der Fertilitätskliniken überall in Europa lagern Tausende von Eizellen und Billionen von Samenzellen, die im Rahmen von Behandlungen von Unfruchtbarkeit übriggeblieben sind. Wäre es ein guter Vorschlag, diese Samenzellen und Eizellen zu benutzen, um mehr Embryos zur Gewinnung von Stammzellen zu erzeugen?

  • Ist es akzeptabel, einen Embryo nur mit dem einzigen Ziel zu erzeugen, ihn für Forschungsarbeiten zu verwenden und ihn dann zu vernichten?
  • Wie würden Sie sich fühlen, wenn eine von Ihnen stammende Eizelle oder Ihr Sperma mit der Eizelle oder dem Sperma eines völlig Unbekannten vermischt würde, um einen Embryo zu erzeugen, der lediglich dem Einsatz in der Forschung dient?

Wäre das Klonen von menschlichen Zellen die bessere Wahl?
Durch die Übertragung Ihrer DNA in eine unbefruchtete Eizelle könnte man einen Embryo erzeugen, der ein Klon von Ihnen ist. Im Fall einer Erkrankung an zum Beispiel Diabetes oder Alzheimer könnte dieser Embryo dann dazu benutzt werden, Stammzellen zu gewinnen, die Sie heilen könnten.

Einige Menschen sind der Meinung, dass sie das Recht haben, mit ihrer eigenen DNA zu tun und zu lassen, was sie für richtig halten - auch wenn es sich um klonen handelt. Andere befürchten, dass ein solches Vorgehen zu einer „Hintertür" für das verbotene Klonen von Menschen werden könnte.

  • Ist der Gebrauch eines geklonten Embryos besser als die Verwendung eines „überzähligen" Embryos, der ja eine einmalige Kombination von Genen ist?
  • Wenn ein geklonter Embryo niemals dazu bestimmt war, ein Baby zu werden, hat er trotzdem dieselben Rechte wie ein Embryo, der eigentlich erzeugt wurde, um in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt zu werden und dort zu einem Baby heranzuwachsen?
  • Rechtfertigen die Vorteile dieser Forschung die kosten?

Wessen Rechte sind am wichtigsten?
Ethisch betrachtet hat fast jede Handlung zwei Seiten und Ethiker vergleichen oft, wer bei einer bestimmte Vorgehensweise profitiert und wer dabei Schaden nimmt. Bei der Gewinnung von embryonalen Stammzellen kommt der betreffende individuelle Embryo nicht nur zu Schaden, sondern er wird sogar getötet. Andererseits könnte ein Mensch, oder sogar mehrere, mit einer unheilbaren Krankheit mit Hilfe der aus diesem Embryo gewonnenen Stammzellen geheilt werden.

  • Wessen Rechte sind hier wichtiger? Die des sterbenden Erwachsenen oder die die des 4-Tage alten, tiefgekühlten Embryos?
  • Ist der medizinische Fortschritt, den die Stammzellforschung bringen könnte, wirklich jedes Zugeständnis wert?

Ein europäischer Konsens?
Ein Konsens über das, was in der Stammzellforschung erlaubt sein sollte und was nicht, hat sich unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EU) als sehr schwierig erwiesen. Unterschiede in der Kultur und auch in der Geschichte der einzelnen Länder der EU lassen bezweifeln, dass ein einheitlicher ethischer Rahmen alle verschiedenen Auffassungen und Überzeugungen erfassen kann.

Der Vorteil einer solchen Vielfalt ist, dass die Forschung in den verschiedenen Ländern vielleicht unterschiedliche Wege gehen und sich so vielleicht ergänzen wird - um Beispiel durch die Erforschung adulter Stammzellen in einem Land und die Weiterentwicklung der Verwendung embryonaler Stammzellen in einem anderen.

Aber werden kranke Menschen, die auf Stammzelltherapie angewiesen sind und diese in ihrem eigenen Land nicht erhalten können, nicht ganz einfach in ein Nachbarland ausweichen, wenn es keinen Konsens unter den EU-Mitgliedsstaaten gibt? Wird dabei die Möglichkeit einer Behandlung dann vielleicht abhängig von den finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen?


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