Dem Leben mehr Tage
oder den Tagen mehr Leben geben?
Im Moment sind wir noch nicht in der Lage, die Lebensspanne
eines Menschen mit Hilfe moderner Techniken weiter zu verlängern,
doch in naher Zukunft könnte dies vielleicht möglich
werden. Es ist daher höchste Zeit darüber nachzudenken,
wie unsere Gesellschaft mit solchen eventuellen revolutionären
Neuerungen umgehen sollte.
Es ist zu bedenken, dass ein längeres Leben für
alle oder einen Großteil der Bevölkerung weitreichende
wirtschaftliche, politische und soziale Folgen hätte.
Wäre ein noch längeres Leben für alle ein Ziel,
das unsere Gesellschaft anstreben sollte? Oder sollten wir
uns eher bemühen, den jetzt schon erreichbaren Lebensjahren
mehr Lebensqualität zu geben?
Wie würde sich ein längeres Leben auf die Lebensqualität
jedes Einzelnen auswirken? Wären wir länger von
anderen abhängig; würden am Ende unseres Lebens
viele Jahre der Krankheit und der Einsamkeit stehen? Oder
würden wir Jahrzehnte damit verbringen, ältere pflegebedürftige
Verwandte zu betreuen? Andererseits, vielleicht wären
die neuen" Alten dermaßen fit, dass die eigene
Großmutter uns den Freund ausspannen würde?
Viele ethische, wirtschaftliche und auch rein praktische
Fragen können rund um das Thema des Immer-Älter-Werdens"
gestellt werden:
Würde Langlebigkeit für jeden möglich sein?
Und das weltweit?
Wenn ja, wie könnte das erreicht werden und auf welcher
ökonomischen Grundlage? Sollte man ernsthaft versuchen,
dies zu erreichen?
Kann sich unsere Gesellschaft immer mehr alte Menschen leisten?
Wie lange müssten wir arbeiten, wenn wir sehr viel länger
leben würden? Wenn wir länger arbeiten würden,
wie sollten gleichzeitig Arbeitsplätze für junge
Menschen geschaffen werden?
Andererseits, unsere Gesellschaft hat sich im zwanzigsten
Jahrhundert an eine erheblich längere durchschnittliche
Lebenserwartung angepasst - warum sollte uns das nicht noch
einmal gelingen?
Was passiert, wenn die Generationen sich vermischen oder
sogar untereinander die Plätze wechseln"?
Würde man es als Selbstmord einstufen, wenn sich jemand
gegen die Möglichkeiten der Verlängerung des eigenen
Lebens entscheiden würde?
Ist vielleicht die Tatsache, dass wir nur einmal leben und
dass es für dieses Leben ein absehbares Ende gibt, der
Grund, warum wir in unserem Leben nach etwas Größerem
und Bedeutungsvolleren streben? Wie würde sich unser
Leben verändern ohne eine solche Grenze?
Werden wir auch dann noch Respekt für alte Menschen
haben, wenn ihre Zahl explosionsartig zunimmt?
Wie werden die Entwicklungsländer mit der starken Zunahme
älterer Menschen fertig werden; selbst mit der, die im
Moment zu beobachten ist - ganz ohne Gentechnik?
|