Quiz
Video
Diskussion
Neueste Nachrichten
 
 

 

Gut oder Schlecht?

HIV-positiv und vorsätzlich schwanger?
Für die meisten Menschen, die nicht direkt von HIV betroffen sind, klingt diese Frage sehr akademisch und theoretisch. Die Begriffe "HIV-Infektion" und "Aids" sind für sie direkt verbunden mit schwerer Krankheit, Invalidität und Tod. Für sie ist es unvorstellbar, dass HIV-positive Menschen auch nur daran denken, eigene Kinder "in die Welt zu setzen". Auf der anderen Seite ist die HIV-Infektion dank der modernen Medikamente für viele Betroffene heute zu einer chronischen Krankheit geworden. Eine Krankheit, mit der man im wahrsten Sinne des Wortes "leben" kann; vergleichbar mit anderen chronischen Krankheiten wie z.B. Diabetes oder Asthma. Und warum sollten zu diesem Leben nicht auch eigene Kinder gehören?

An dieser Stelle finden Sie einige der Argumente, die im Zusammenhang mit dem Thema einer Schwangerschaft von HIV-infizierten Frauen oft diskutiert werden.

Sollte es einer Frau mit HIV erlaubt sein, ein Kind zu bekommen?
Für viele Menschen sind eigene Kinder ein wichtiger und fundamentaler Teil des menschlichen Lebens. Warum sollte jemand mit HIV darüber anders denken oder empfinden? Warum sollten Menschen mit einer chronischen Krankheit nicht genauso liebevolle und gute Eltern sein wie alle anderen Eltern?

Wer hat das Recht, anderen Menschen vorzuschreiben, ob sie Kinder haben sollten oder nicht? Ist das nicht eine Frage, die alleine das betreffende Paar entscheiden kann? Ist ein Baby zu bekommen nicht letztlich ein fundamentales menschliches Recht? Wie könnten wir dieses Recht einzelnen verwehren?

Ist es gegenüber dem Kind nicht unverantwortlich und unmoralisch, wenn eine HIV-positive Frau schwanger wird, solange auch nur die kleinste Möglichkeit besteht, dass sich das Kind ansteckt?
Gibt es ein Recht, ein Kind zu bekommen; in jeder Lebenssituation, unabhängig davon, ob man gesund ist oder nicht? Was ist mit dem Argument, dass eine HIV-positive Frau mit der Umsetzung dieses Wunsches vielleicht einem anderen menschlichen Wesen - nämlich ihrem eigenen Kind- schweren Schaden zufügt ? Selbst wenn das Risiko einer Infektion bei guter medizinischer Betreuung heute sehr gering geworden ist, besteht nach wie vor ein gewisses Risiko, dass das Kind HIV-positiv zur Welt kommt. Dieses Kind hat dann vielleicht nur ein kurzes Leben vor sich, in dem es zudem noch an einer schweren Erkrankung leidet und vielleicht schwere Schmerzen ertragen muss.

Ist es nicht sehr egoistisch von einer Frau, sich unter solchen Umständen ein Kind zu wünschen? Andererseits: Ist es wirklich besser, erst gar nicht geboren zu werden, wenn die Gefahr einer Behinderung oder einer ernsten Erkrankung besteht?

Ist es nicht egoistisch, sich ein Kind zu wünschen, wenn man sterben könnte, bevor es erwachsen geworden ist?
Dank der modernen Medikamente hat die Lebenserwartung von Menschen mit HIV dramatisch zugenommen und viele von ihnen können Jahren eines mehr oder weniger "normalen" Lebens entgegensehen. Allerdings weiß auch heute noch niemand genau, wie lange die Krankheit bei einem individuellen Patienten beherrschbar bleibt. Es können ernsthafte Nebenwirkungen auftreten oder die Viren könnten Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln. Daher kann niemand vorhersagen, ob die betreffende Mutter lange genug leben wird, um ihr Kind ins Erwachsenenalter zu begleiten.

Andererseits: Wer von uns, egal ob gesund oder krank, weiß im voraus, wann er sterben wird, und ob er lange genug leben wird, um ein Kind aufwachsen zu sehen? Jeder von uns kann morgen sterben (z.B. bei einem Flugzeugabsturz oder einem Verkehrsunfall) oder an einer ernsthaften Krankheit wie z.B. Krebs erkranken.

Und ist der Wunsch nach einem Kind nicht oft zum Teil auch der Wunsch, nach dem Tod durch unsere Kinder weiter zu leben? Ist solch ein Wunsch nicht besonders verständlich, wenn die betreffende Person weiß, dass sie früh sterben könnte?

Ist das nicht alles sehr teuer oder "Können wir es uns das alles eigentlich leisten"?
Eine moderne antiretrovirale Kombinationstherapie ist "Highttech"-Medizin, die sehr teuer ist. Es geht dabei nicht nur um die lebenslang benötigten, an sich schon teuren Medikamente, sondern auch um die regelmäßig notwendigen Tests wie z.B. die Messung der Viruslast oder die Bestimmung der Anzahl der T-Zellen im Blut des Patienten.

Können wir es uns heute, wo die Krankenkassen kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch stehen, noch leisten, für die medizinische Versorgung einer solchen Schwangerschaft und für die besonders aufwendige Entbindung zu bezahlen, bloß weil jemand, der nicht gesund ist, ein Kind haben will? Und was ist mit den Kosten für die lebenslange Behandlung des Kindes, falls es doch HIV-infiziert auf die Welt kommt oder für die Betreuung des Kindes, falls die Mutter schließlich doch an Aids erkrankt oder stirbt?


Castellano 
Català 
Dansk 
Deutsch 
English 
Français 
Italiano 
Português 
Suomi 
Svenska 
 
©2002 bionet