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Vier Beispiele für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen

Pestizid-resistenter Raps
Pestizid-resistenter Raps enthält ein Gen, das es der Pflanze ermöglicht, einem bestimmten Unkrautvernichtungsmittel zu widerstehen. Dieses Gen stammt aus einem Bakterium, das von Natur aus in der Lage ist, bestimmten Pestiziden zu widerstehen. Der Landwirt kann nun solche Felder mit dem betreffenden Pestizid „spritzen" und so die meisten unerwünschten Pflanzen auf dem Feld vernichten, ohne den Raps zu schädigen.

Vorteile:
  • Der Landwirt kann größere Mengen anpflanzen, weil es nun leichter ist, Schädlinge zu bekämpfen.
  • In einigen Fällen kann der Landwirt ein umweltfreundlicheres Spritzmittel einsetzen.
  • Der Landwirt kann weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, was ebenfalls der Umwelt zugute kommt.

Nachteile:

  • Die neuen Gene aus dem Raps könnten auf andere Pflanzen übertragen werden, die dann ebenfalls pestizid-resistent werden könnten. Der Einsatz des betreffenden Pflanzenschutzmittels würde sinnlos.
  • Manche „Unkräuter" sind nahe mit Raps verwandt und der Raps-Pollen kann diese Pflanzen bestäuben. So könnten Resistenzgene aus dem Raps z.B. auf die Kohlrübe oder Wruke, ein in Rapsfeldern häufiges Unkraut, übertragen werden. Ein pestizid-resistentes Unkraut wäre entstanden.

Mais, Sojabohnen und Zuckerrohr sind weitere Beispiele für Pflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel resistent sind.

Mais mit „eingebautem" Schutz gegen Schadinsekten
So genannter Bt-Mais ist gentechnisch so modifiziert, dass er selber ein Gift herstellt, das schädliche Insekten vernichtet. Somit ist es für den Landwirt nicht nötig, diese Maisfelder mit Insektiziden zu „spritzen". Der genetisch modifizierte Mais heißt Bt-Mais, weil das neue Gen aus der Bakterienart Bacillus thuringiensis stammt.

Vorteile:

  • Der Landwirt muss keine Insektizide für die Vernichtung der Pflanzenschädlinge einsetzen. Die Umgebung wird somit nicht durch große Mengen schädlicher Chemikalien belastet.
  • Der Landwirt selber wird nicht länger dem giftigen Insektizid ausgesetzt.

Nachteile:

  • Bei der Verwendung von Insektiziden besteht in jedem Fall das Risiko, dass die Schadinsekten über kurz oder lang gegen das eingesetzte Insektizid resistent, d.h. unempfindlich, werden. Dies passiert unabhängig davon, ob das Insektizid von außen „gespritzt" oder vom Mais selber produziert wird. Der gentechnisch modifizierte Mais vergiftet die Insekten jedoch über einen längeren Zeitraum als der Landwirt, der nur ein- oder zweimal während des Anbaus „spritzt". Die Gefahr, dass sich die Insekten an das Gift gewöhnen, ist größer. Wenn die Schadinsekten resistent werden, kann das entsprechende Gift auch als Spritzmittel nicht mehr eingesetzt werden.
  • Auch andere Insekten als die Mais-Schädlinge könnten durch das vom Bt-Mais produzierte Gift getötet werden. Dies könnten z.B. Insekten sein, die die Schadinsekten fressen. Oder schöne Insekten wie beispielsweise Schmetterlinge. In den USA, wo große Mengen von Bt-Mais angebaut werden, gibt es viele Diskussionen über eventuelle schädliche Auswirkungen von Bt-Mais auf den Monarch-Schmetterling.

Weitere Beispiele für Pflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie selber Insektizide herstellen, sind Baumwolle und Kartoffeln.

„Golden Rice"(„Goldener Reis")
„Golden Rice" ist eine Reisart, die gentechnisch so verändert wurde, dass die Reiskörner Vitamin A enthalten. Genauer gesagt enthält der Reis Beta-Karotin, das im Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Der Verzehr von „Golden Rice" führt also dazu, dass der Körper mehr Vitamin A bekommt.

Beta-Karotin ist ein Farbstoff. Es verleiht Karotten ihre orange-rote Farbe, und es macht diesen gentechnisch veränderten Reis goldfarben. Damit der Reis Beta-Karotin erzeugen kann, wurden ihm drei neue Gene übertragen: zwei aus Narzissen und eines aus einer Bakterienart.

Vorteile:

  • „Golden Rice" könnte für die arme Bevölkerung in einigen unterentwickelten Ländern einen besonderen Vorteil bringen. Viele Menschen auf dieser Welt sind gezwungen, sich extrem einseitig zu ernähren, was zu einem Mangel an essentiellen Vitaminen führt. Dies hat zur Folge, dass viele Menschen sterben oder, im Falle von Vitamin A-Mangel, erblinden. In Teilen Asiens, wo die Mehrheit der Bevölkerung von der sprichwörtlichen „Schale Reis am Tag" leben muss, könnte „Golden Rice" eine wesentliche Verbesserung bringen.

Nachteile:

  • Kritiker befürchten, dass die Bauern in den unterentwickelten Ländern durch den Anbau gentechnisch modifizierter Pflanzen zu stark vom reichen Westen abhängig werden. In der Regel sind es die großen Privatunternehmen im Westen, denen die Mittel zur Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen zur Verfügung stehen. Normalerweise werden diese Pflanzen so modifiziert, dass sie steril sind und die Bauern aus ihnen kein Saatgut für das nächste Jahr erzeugen können. Dadurch werden die Landwirte gezwungen, jedes Jahr neues Saatgut von den Unternehmen zu kaufen.
  • Einige Gentechnik-Gegner betrachten „Golden Rice" als den Versuch, Gentechnik in der Landwirtschaft gesellschaftlich akzeptabler zu machen. Sollte dies gelingen, so fürchten die Gentechnik-Gegner, werden die Unternehmen dazu übergehen, weitere Pflanzen gentechnisch zu verändern, die dann vor allem dem Profit der Unternehmen dienen. Dies könnte dann letztendlich zu einer Situation führen, in der alle „guten", profitablen Nutzpflanzen-Sorten einigen wenigen Großunternehmen gehören.

Lange haltbare Tomaten
Die lange haltbare „Flavr-Savr"-Tomate kam 1994 in den USA auf den Markt und war das erste gentechnisch modifizierte Lebensmittel, das die Verbraucher in den Läden kaufen konnten. Sie ist gentechnisch so verändert, dass sie für lange Zeit fest und frisch bleibt. Dies wurde dadurch möglich, dass durch ein zusätzliches Gen die Bildung der Substanz, die Tomaten „matschig" werden lässt, unterdrückt wird.

Vorteile:

  • Sonnengereifte, rote Tomaten sind zu empfindlich, um lange Transportwege zu überstehen. Daher werden Tomaten normalerweise grün gepflückt, gekühlt transportiert und „nachgereift". Darunter leidet leider der Geschmack. „Flavr-Savr"-Tomaten können dagegen rot und natürlich gereift geerntet und transportiert werden und schmecken deshalb besser.
  • Die Erzeuger haben außerdem den Vorteil, dass alle Tomaten zum gleichen Zeitpunkt geerntet werden können.

Nachteile:

  • Aufgrund des Entwicklungsprozesses enthielten die ersten entwickelten gentechnisch veränderten Tomaten auch fremde Gene, die den Organismus, der sie besitzt, gegen bestimmte Antibiotika resistent, d.h. unempfindlich, machen. Antibiotika werden von Ärzten und Tierärzten benötigt, um Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Sollten nun Antibiotika-Resistenz-Gene aus gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf Tiere und Menschen übergehen, könnte das zu ernsten Schwierigkeiten bei der Behandlung von Infektionskrankheiten führen. Heute ist es möglich, sowohl Tomaten als auch andere Organismen gentechnisch modifizieren, ohne dabei Antibiotika-Resistenz-Gene zu hinterlassen.

Weitere Beispiele für Lebensmittel, die von Wissenschaftlern gentechnisch verändert wurden, um sie länger haltbar zu machen, sind Erdbeeren, Ananas, Paprika und Bananen.


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